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Die Vielfalt der Schweizer Fische
Die Schweiz hat eine grosse Vielfalt an Fischarten, doch rund zwei Drittel von ihnen sind bedroht oder ausgestorben. Wir präsentieren unsere faszinierende Fischbiodiversität, aktuelle Forschungsprojekte, Gründe, warum es schlecht um die Schweizer Fische steht und was wir dagegen tun können.
In der Schweiz gibt es rund 100 Fischarten und Rundmäuler. Im Vergleich zu den fast 30 000 bekannten Insektenarten eine überschaubare Anzahl. Fische sind in unserem Alltag zudem wenig präsent. Wer nicht als Angelfischer:in oder im Auftrag der Forschung an unseren Gewässern unterwegs ist, bekommt sie nur selten lebend zu sehen. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb faszinieren uns Fische. Lachse wandern tausende von Kilometern zu ihren Laichplätzen. Ebenso Aale, die sich, wenn es sein muss, auch an Land fortbewegen. Erste Spuren der Bachneunaugen stammen aus dem Kambrium, einem Zeitalter vor über 500 Millionen Jahren. Fische sind zudem grosse Anpassungskünstler, die je nach Lebensraum auch innerhalb einer Art grosse Unterschiede aufweisen – beispielsweise bei den Forellen oder Felchen.
Doch leider steht es um die Fische der Schweiz nicht gut. 65.1 Prozent aller Fischarten stehen auf der Roten Liste und weitere 13.6 Prozent gelten als potentiell gefährdet. Ein wichtiger Grund ist die fehlende Vernetzung der Fliessgewässer. In keinem anderen Land in Europa gibt es so viele Wehre, Dämme und weitere Querbauwerke pro Fliesskilometer wie in der Schweiz. Diese behindern die Wanderung der Fische, etwa zu passenden Laichgewässern, Nahrungsgründen oder kühlen Zufluchtsorten im Sommer. Begradigte, eingedolte und verbaute Flüsse und Bäche bieten zudem wenig natürlichen Lebensraum. Zusätzlich bedrohen Wasserverschmutzungen, eingeschleppte Arten und der Klimawandel heimische Fischarten.
Umso wichtiger ist es, unsere heimische Fischdiversität zu erforschen, um geeignete Schutzmassnahmen ergreifen zu können. In diesem Themenbereich bringen wir Ihnen die Fischbiodiversität der Schweiz näher, indem wir einzelne Arten vorstellen und aktuelle Forschungsergebnisse präsentieren. Diese wurden ebenso beim Seminar der Schweizerischen Fischereiberatungsstelle FIBER «Die erstaunliche Biodiversität der Schweizer Fische» am 20. Januar 2024 und im Tagungsband unserer Fachzeitschrift, der aqua viva 1/2024 vorgestellt. Ausserdem zeigen wir, was es braucht, um die Fische der Schweiz zu fördern und was wir bei Aqua Viva tun, um ihnen wieder mehr Lebensraum zu geben.
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Einzigartig und vielfältig – die Fischbiodiversität der Schweiz
Wie steht es um die Vielfalt unserer heimischen Fischarten? Die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse rund um Bachforellen, Äschen und Co haben Andrin Krähenbühl und David Frei von FIBER für uns zusammengefasst.
Zeitschrift: Die erstaunliche Vielfalt der Schweizer Fische
Der Tagungsband zum FIBER-Seminar «Die erstaunliche Biodiversität der Schweizer Fische» stellt aktuelle Forschungsergebnisse vor, zeigt, warum viele Arten gefährdet sind und welche Massnahmen wir ergreifen können, um sie zu fördern.
Fische der Schweiz
Der Gefährdungsstatus von 71 heimischen Fischen und Rundmäulern ist in der Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz erfasst. Wir zeigen, welche Fisch- und Rundmaularten es in der Schweiz gibt und wie es um sie steht.
Arten gemäss BAFU (2022): Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Fische und Rundmäuler. Nicht abgebildet: Arten mit ungenügender Datengrundlage.
Hintergründe
Seeforellen und ihre riskante Strategie
Die aussergewöhnliche Artenvielfalt der Felchen in der Schweiz
Biodiversität und Angelfischerei
Artenportraits
Die Fische und Rundmäuler der Schweiz weisen eine grosse Vielfalt an Lebensweisen auf. Wir stellen einige von ihnen im Artenportrait vor.
Überlebenswichtig: Natürliche Lebensräume
So vielfältig wie die Fischarten der Schweiz sind auch ihre Lebensräume. Für lebendige Gewässer mit gesunden Fischpopulation brauchen wir Seen, Flüsse und Bäche mit unterschiedlichen Tiefen und Fliessgeschwindigkeiten, mit kiesigen, sandigen oder schlammigen Untergründen, mit reicher Unterwasserflora und mit Makrozoobenthos, mit Totholz und anderen Strukturen. Zu Beginn des Einsatzes für eine intakte Fischvielfalt steht somit immer der Einsatz für vielfältige und lebendige Bäche, Flüsse und Seen.
- Auch Gewässer mit reichhaltiger Unterwasserflora sind essentiell: Die Pflanzen produzieren Sauerstoff, reinigen das Wasser und dienen Fischen als Versteck bei drohender Gefahr. Bild: Karpfen in Altarm der Aare BE, Michel Roggo - roggo.ch
- Viele Fischarten brauchen Kies und Steine am Gewässergrund zur Eiablage in Kiesgruben. Bild: Seeforellen in der Areuse NE, Michel Roggo - roggo.ch
- Fische sind auf unterschiedlichste Gewässer angewiesen – Seen, ruhig fliessende Flüsse und Bäche mit klarem, sprudelndem Wasser. Bild: Cavedano in der Maggia TI, Michel Roggo - roggo.ch
- In sauerstoffreichen Gewässern fühlen sich auch viele Arten des Makrozoobenthos wohl Sie sind ein wichtiger Pfeiler des Nahrungsnetzes und bilden für viele Fischarten die wichtigste Nahrungsquelle. Bild: Köcherfliegen im Jaunbach BE, Michel Roggo - roggo.ch
Aqua Viva im Einsatz für unsere Gewässer
Aqua Viva setzt sich in zahlreichen Projekten für den Schutz und die Wiederherstellung von natürlichen Gewässerlebensräumen ein. Wir schützen und verbessern Laichgewässer, Nahrungsgründe oder Rückzugsorte von Fischen, sei es bei Revitalisierungsprojekten, Rückbauten von Wanderhindernissen oder in Begleitgruppen von Projekten zur Sanierung von Wasserkraftwerken.
Fluss frei!
Mit dem Projekt «Fluss frei!» befreit Aqua Viva Bäche und Flüsse von unnötigen Hindernissen. An einigen Flüssen wie am Talent im Kanton Waadt und am Geisslibach im Thurgau konnten wir schon alte Wehre entfernen und so den Weg für viele Fischarten freimachen.
Lebendiger Dorfbach
Aqua Viva und Feldschlösschen verleihen eingedolten und begradigten Dorfbächen neues Leben. Mit dem Projekt «Lebendiger Dorfbach» unterstützen wir Gemeinden bei der Revitalisierung kleinerer Gewässer: mit fachlicher Beratung und einer Anschubfinanzierung.
Aqua Viva im Einsatz für Lachs und Co
Christian Hossli vom Aqua Viva Gewässerschutz-Team hat dazu beigetragen, dass das Kraftwerk an der Kleinen Emme wieder fischgängig wird. Er erzählt, wie das Engagement in Begleitgruppen von Projekten hilft, ökologisch nachhaltige Lösungen für unsere Gewässer zu finden.
Wanderfische in der Schweiz
Wanderfische wie Lachs, Aal oder Rotauge legen teils grosse Strecken zurück, um zu ihren Laichgewässern zurückzukehren. Doch in der Schweiz verhindern mehr als 170 000 Stauwehre, Schwellen und andere Querbauwerke, dass sich Fische frei bewegen können. Aqua Viva setzt sich dafür ein, dass sich die Vernetzung und die Lebensräume unserer Gewässer wieder verbessern. Unser Team Erlebnis & Bildung macht ausserdem mit Kindern spannende Erlebnistage am Wasser und geht mit ihnen den Spuren des Lachses nach.